Von Bienen und Blümchen

Mittwoch, 06.06.2018

Nun also war die wichtigste Kalbzeit durch (und ja, es gab immer noch so 20-30 Nachläufer), viele Kühe schon zwei Monate oder länger am melken, Zeit sie erneut schwanger zu kriegen! In vielen anderen Betrieben hat die Kuh kaum ein paar Tage Erholung, da geht es schon wieder von Neuem los, doch in Australien gibt man ihnen meist ein wenig Erholungszeit. Zwei Monate ist genug, weiter gehts! (Ein weiterer Grund, die Kalbzeit zu reduzieren. So haben die Kühe auch halbwegs alle diese Pause. Manche der Kühe waren ja auch erst recht frisch)
Wie bereits gesagt, ist künstliche Befruchtung hier angesagt. Und dabei sollte man wohl auch nicht zu sehr mit dem Geld knausern! Die vorherigen Farmeigentümer haben wohl irgendwelche Syrer, Inder oder weiß der Geier dafür bestellt .... und die Erfolgsquote lag bei nicht mal 50%. Dafür sind selbst die zu teuer und der Aufstand ist nicht so ohne.

Zuersteinmal wurden (leider) die Kickie-Bitches aufgelöst und wir freuten uns auf Kickies in den Hauptherden (schlimmer war, dass uns nicht mal erklärt wurde wieso, das haben wir uns erst viel später selbst zusammen gereimt). Danach kam ein Job des Tierarztes. An zwei Tagen wurden allen Kühen ein Hormontampon verabreicht, wobei ich nicht ganz weiß wie das nun genau war. Diese Tampondinger waren glaub ich, um zu verhindern, dass sie in Hitze gehen und um damit einen einheitlichen Zeitpunkt zu schaffen. Da dies bei der Menge an Kühen an zwei Tagen gemacht wurde, bekamen sie jeweils einen blauen oder pinken Streifen am Rücken/Schwanzansatz. (Übrigens hatten wir immer unterschiedliche Farben, um Kühe zu markieren wenn nötig. Z.b. wenn eine Zitze nicht funktionierte, gab es ein entsprechendes Muster aufs Euter, da sonst dieses Trockenmelken das Euter beschädigt und so eine Zitze sich auch selbst regenerieren kann. Oder kranke Tiere wurden fett mit rot eingedeckt, um auf jeden Fall zu verhindern, wenn die Kuh ausbüchste, dass wir sie Melken!)
Dabei melkten wir ganz normal und am Cups-off wurde eine Bühne aufgestellt, damit man die Tampons einführen und sie markieren konnte. Natürlich hieß das, Shitfest der Extralative! Wir schwommen in Scheiße! Es gab eine gut 10cm dicke Scheißeschicht, durch die wir durchwaten mussten, ich sag euch! Da ich immer im vollen Regenoutfit molk (Emily und Inge hatten immer nur die Hosen an), war ich auch am Besten gewappnet, diesem Shitstorm standzuhalten .... warum muss ich eigentlich so nett sein?

Danach war erstmal Pause, für 2 Wochen oder so, in der der Tampon drin blieb (ne Kuh hat den gleichen Zyklus wie Menschen und ist damit jeden Monat einmal ready). Dann wurden die blau gestreiften Kühe am Abend vor der Besamung mit einem Hormon gespritzt und das Tampon entfernt, was ihre Fruchtbarkeit auslösen sollte und am nächsten Tag gings ab!
Natürlich endete auch dies wieder im Shitstorm und nun wurde es auch schwierig, die Kühe überhaupt in die Rotary zu bekommen, weswegen selbst Glen, Rebecca, Brody, Joe und sogar Leah mal aushalfen, obwohl Joe und Leah vor allem sich um die zarten Jungfrauen kümmerten, die nicht in der Rotary befruchtet wurden, sondern außerhalb (Es gibt übrigens mehrere Eva's hier, noch keinen Bullen hinten drauf gehabt, aber schon mehrmals schwanger gewesen!). In dieser Zeit erfuhr ich also meinen Hauptteil vom letzten Eintrag über Business und Genetik.

Für diesen Teil kam nun ein professionell ausgebildeter, sehr erfahrener (australischer!) Kuhbesamer. Ja, sein Job bestand darin, in hunderte Kuhärsche zu fassen, yeah. Moment mal, falsches Loch sagt ihr? Ne ^^ Tatsächlich griff der Besamer mit seiner (behandschuhten!) Hand in den Allerwertesten der armen Kuh (die bereits gemolken wurde, denn das durfte ja nicht ausfallen deswegen), der Tierarzt reichte ihm dann einen Metallstab, an dessen Ende die superkleine, mittels Trockeneis gefrorene Samenkapsel steckte. Mithilfe der Hand im Arsch konnte der Besamer nun fühlen, ob es am richtigen Ort war, bevor er den Stab auslöste und die Kapsel verpflanzte. Und auf zur nächsten Kuh. Dabei sollte man bemerken, dass die Darmmuskeln einer Kuh recht stark sind und auf Dauer der Arm richtig wehtut vom gequetsche. Deswegen löste Glen hin und wieder den Besamer ab, damit dieser seinem Arm ein wenig Ruhe geben kann.
Das ging nun zwei lange Tage so, bis die Herde komplett befruchtet war. Die kleinere B-Herde wurde nun anders und etwas biologisch freundlicher gestaltet. Sie bekam keinen Tampon, sondern nur eine Hormonspritze und einen Sticker auf dem Rücken. Wenn die Kuh in Hitze war, verfärbte sich dieser Sticker knallorange und am nächsten Tag wurden diese Kühe dann befruchtet. Dadurch war es zwar weniger kontrolliert, aber biologisch angenehmer und eine akzeptable Variante bei der kleineren B-Herde. Nach dieser Tortur dauerte es ein bisschen, bis die Kühe wieder mit uns arbeiteten, sie wollten nicht zum Hof laufen, sie wollten nicht in die Dairy rein, aber langsam merkten sie, dass der Horror vorbei war und es wurde wieder normal. Nun aber kamen die Angus Bullen, um sich um alle Kühe zu kümmern, die entweder nicht zum Zuge kamen (bei der B-Herde wurde dann abgebrochen, als die Meisten durch waren und die Nachzügler kamen nicht in den "Genuss"), oder bei denen die Befruchtung nicht funktioniert hat. Ich glaub ca 20 Bullen kamen auf die 600 Kühe und gerade auf dem Hof ging es ab. Denn dort standen sie dicht gedrängt und hatten kaum Weglaufmöglichkeiten, sehr zur Freude der Bullen. Einmal hatten wir auch einen Bullen in der Rotary und Emily hat ausversehen seine Eier desinfiziert xD. Aber sie hat gesagt, dem Bullen schien das zu gefallen 😂.

Ansonsten waren die Bullen ähnlich zu handhaben wie die Kühe. Sie liefen mit den Mädels mit, lernten schnell, dass sie sich im Hintergrund halten können und dort von uns mit den fertigen Kühen zurück gesendet wurden. Sie wichen vor uns zurück, ähnlich wie die Kühe, aber wenn sie gegeneinander gingen, mussten wir uns schleunigst aus dem Staub machen. Ein Bulle wird nicht gegen dich aggressiv, aber sie bemerken auch nicht, wenn du Kollateralschaden wirst. Anfangs ging dies noch gut, aber später gab es zuviele Rangeleien unter den Bullen und viele von ihnen lahmten stark. Wie die Pussys die sie sind, weigerten sie sich zunehmend, mit zum Hof zu laufen und wir hatten unsere liebe Müh (meist mussten sie zum Hof, weil die nächste Weide auf der anderen Seite entlang einer anderen Straße war. Wenn dies nicht der Fall war, ließen wir sie stehen, sobald wir konnten.). Ich sah Kühe mit einer fetten Fleischwunde am Knie oder üblen Steinen im Huf besser laufen als diese Bullen mit ihren kleinen Wehwehchen am Oberschenkel! Eine Schwierigkeit war auch, dass sich die Jungbullen, die der B-Herde zugeteilt waren, mit den Altbullen die zur A-Herde gingen vermixten. Denn die Altbullen haben ihren Platz bereits ausgefochten und scheuen weitere Verletzungen, während die Jungbullen dies noch raus finden müssen. Entsprechend hoch war die Anzahl der totkrank verletzten männlichen Pussys. (Ja, die Lahmärsche gingen uns fett auf den Sack! LAUFT DOCH!!!!!)

Nach einem Totalversagen von "Nur-Mädels-Sperma" im letzten Jahr (glaub da war Kyeema noch in alter Hand), hat man glaub ich einen erneuten Versuch damit gewagt, bin mir aber nicht sicher. Preis-Nutzen muss halt stimmen, ich weiß aber auch nicht, ob der Fehler beim Besamer lag oder beim Sperma. Auch hatte man glaub ich eine ganze Ladung Sperma verfallen lassen, wer Schuld war weiß ich allerdings auch da nicht. Doch sowas ist ein immenser finanzieller Verlust.

 

P.S. In meinen letzten 2 Wochen hatte ich dann noch die Ehre, zweimal komplett angeschissen zu werden. Glücklicherweise hat mein Käppi (Gott habe es selig) mein Gesicht komplett geschützt, dennoch ging die Scheiße auf meinen Kopf und auf der Jacke den Rücken und Arm runter. Ich sach euch, voller Shitonslaugh! Nur dank meiner Ganzkörperausrüstung konnte ich es weitestgehend komplett abduschen, den Rest fing mein Pullover mit Hoodie ab, der zwar danach in die Wäsche musste, mich aber dennoch vor der Scheiße bewahrte. Gott, so eine Scheiße!

Rettung der Farmen

Freitag, 01.06.2018

So, nachdem ich mittlerweile fast alles durch habe, gibt es noch 2-3 große Einträge zu schreiben. Der Erste davon handelt nun von den Anfängen der Farmen und dem Business hinter dem Ganzen, obwohl es sich wohl ein wenig überschneiden wird mit dem zweiten Eintrag. Hier also mal Wissen für die Interessierten, wie sowas gemanaged wird, was wieviel wert ist usw. Dabei kann ich nichts 100% garantieren, und manches werd ich mir auch aus dem Nähkästchen zusammenreimen, um es im Zusammenhang zu haben, aber nichts wichtiges.

 

Wie schon beschrieben, gehört Horizon Glen und Kyeema zur japanischen Firma Lion, wie auch die Käsefabrik auf der Insel, die wir beliefern. Dabei sind beide Farmen erst so 2 Jahre im Besitz von Lion, nachdem sie vom Bankrott aufgekauft wurden und Glen und seine Frau (ich nenn sie mal Rebecca, hab ihren Namen vergessen >.<) als Retter der Farmen hinzu gezogen wurden. Die Storys, die man mir erzählte, ähnelten dabei sehr meiner ersten Dairy.
Rebecca erzählte mir die grausigen Umstände gerade der Kälberaufzucht, wo sie zu bestimmten Zeiten bis zu 30 tote Kälber an einem TAG aus dem Stall schaffen musste. Nachdem die Farm übernommen wurde, hatte man das Problem, dass all die Fehler die neue Generation bereits betrafen - unregelmäßige Fütterung, höchstens 1x am Tag (und ja, wenn keine Zeit war, ließ man die Fütterung sogar ausfallen!), zu viel Milch (wie in meiner alten Dairy, dann waren die Milchbakterien zu viel und white Shit kam), schlechte Milch (also nicht speziell die Collostrum Milch, sondern einfach allgemein von allen Kühen genommen, entsprechend schwach war das Immunsystem), schlechte Hygiene und keine oder nur zufällige Desinfizierung der Bauchnabel sorgten für eine schwache Generation. Da so viele Kälber starben nutzte man ähnlich dämlich das "Allheilmittel" - Antibiotika für alle Kälber im Futter ... klasse. Als mir Rebecca dies erzählte sah ich sowohl die Tränen, die sie versuchte zu stoppen als auch die Wut und Entrüstung, die sie darüber empfand. Und sie erzählte mir, dass wir, die Menschen, diejenigen sind, die die Kälber den rechtlichen Müttern entreißen, also sind wir auch diejenigen, die sich vernünftig um sie kümmern müssen, als wären es die eigenen Kinder! Regelmäßige Fütterung, richtige Milch und vor allem : Aufmerksam sein! Jedes Kalb individuell beobachten, für schwache Kälber ausschau halten und eben mehr oder längere Zuwendung aufbringen, nach Krankheiten gucken. Und Antibiotika verwenden, wenn es individuell nötig ist, nicht als Futterbeigabe! Doch diese Generation war bereits schwach, unterernährt, krank. Also kam jeden Tag die Frage, wieviel tote Kälber gibt es diesmal?

Mittlerweile ist diese Zeit wenigstens vorüber, die Aufzucht funktioniert gut und landen die Kälber erstmal hier, gibt es nur noch wenige Tote (ich glaub sie hatten ungefähr 10-20 Tote in diesem Kalbjahr, bei 600 Kühen eine sehr gute Zahl. Natürlich sind da die Fehlgeburten nicht mit einbezogen). Dies ist auch gut fürs Geschäft, denn nur ein lebendiges Kalb ist ein gutes Kalb, tote bringen keinen Gewinn ein.
Die weiblichen Kälber landen nun in einem extra Bereich und bekommen mehr Aufmerksamkeit, besseres Futter etc, denn sie sind die Milchkühe der Zukunft. Die Jungs versucht man nu loszuwerden und schnell zeigt sich der finanzielle Wert. Ein frisch geborener Bulle ist sage und schreibe $30 wert! Als ca 1,5 Stundenlohn! Ein Witz. Kaum Kälber werden in diesem Alter verkauft, da sie noch Milch brauchen und eine Aufzucht woanders damit eher schwierig ist. Für diese Jungbullen zählt der Fleischwert - weswegen eine zusätzliche Kreuzung mit Angus-Bullen nötig ist. Sind die Kälber nun so 3-5 Wochen alt, wächst der Marktwert so auf $200 und bringt kaum ein, was man als Futter in das Tier stecken musste. Selbst im höheren Alter von ein paar Monaten ist der Wert mit $400-500 kaum höher im Vergleich zu den Futterkosten - Jungs sind also businesstechnisch nur Nutzlast und unausweichliches Übel. In den Jahren, wo es mehr als 50% Jungs sind als Mädels, ist der finanzielle Gewinn also schlecht. Eine ausgewachsene Milchkuh kostet dann locker $2.000. Wie nun aber funktioniert professionelles Business? Die Genetik fängt an, eine Rolle zu spielen!

Das Erste, was man (hier) versuchte, war die Zeit der Geburten zu verringern. Je geringer diese Zeit ist, desto billiger sind die Personalkosten, weil man alles mit einem Abwasch erledigen kann. Vor der Übernahme der Farm war die Kalbzeit hier so um die 3 Monate, das Ziel waren 3-5 Wochen, also nicht mal halb so lang! Dafür braucht man aber Jungkühe, die Altkühe oder schlechtere genetische Kühe ersetzen. Hat man einen guten Wurf, gibt es bei der 1.200 herdenstarken Horizon Glen Farm also ca 600 Mädels und 600 Jungs. Zieht man Fehlgeburten und andere Verluste ab, bleiben immer noch gute 400-500 Mädels. 300 dieser Jungdamen werden einberechnet, um zu alte Kühe der Hauptherde zu ersetzen, bleiben 100-200 über, die zur genetischen Verbesserung genutzt werden können. Der erste Schritt dabei war eben, die Kalbzeit zu verringern, also nahm man 100 Kühe, die zuletzt gekalbt hatten aus der Herde raus, verkaufte sie immer noch als gute Milchkühe und ersetzte sie mit der jungen Generation. Der Rest wurde zur Vergrößerung der Herde verwendet. Warum einfach die letzten 100 Kühe nehmen, fragt ihr? Mehrere Gründe : zum Einen war ihre Befruchtung vermutlich schwieriger, die künstliche hat nicht funktioniert, die Bullen mussten es übernehmen und selbst da hat es vielleicht zu lang gedauert (ist die Kuh nach 2-3 Monaten mit den Bullen immer noch nicht schwanger, wird sie meist zum Schlacher als zu unfruchtbar geschickt). Kühe, die schnell schwanger werden, sind genetisch besser als Kühe, die mehrere Anläufe brauchen. Oder die Tragezeit war länger. Auch dies kann auf Probleme hindeuten, aber zögert vor allem die ganze Geburtenphase heraus. Also ersetzen. Auf diese Art schafft man sich eine Herde, die schnell schwanger wird und gleichzeitig kalbt, die Kalbzeit herunter setzt und damit die anstrengende Arbeitsphase in der Dauer auch reduziert.

Hier wird dies noch alles recht einfach und harmlos gehandhabt, in Deutschland und anderen hochprofessionellen Staaten ist die Genetik viel krasser und man zahlt entsprechend viel Geld für gutes Bullensperma und treibt es sogar noch weiter. Nehmen wir mal an, du hast eine ausgewachsene Kuh, die dir gerade Geld einbringt. Aber ihre genetische Veranlagung ist nicht gut. Schlechtes Euter oder Zitzen, zu wenig Milch, mieses Temperament. Du willst keine weitere Generation mit diesem Erbgut, aber die Kuh bringt jetzt erstmal Geld. Zumal ist sie dennoch ein guter "Brutkasten". Auch hier gibt es Möglichkeiten, deren Anwendung wohl stetig steigt. Man entnimmt Eizellen einer guten Kuhdame, befruchtet sie und nutzt die "schlechte" Kuhdame tatsächlich als Brutkasten! Der Wert der Kuh für dich geht nicht komplett verloren und sie hilft dir, eine bessere Generation von Kälbern zu erhalten. Krass, aber so läuft das! Oder wusstet ihr, dass eine Ladung von Sperma ganze 300 Kühe befruchten kann? Es ist also ziemliche Verschwendung, was so natürlich in eine Kuh gepumpt wird. Auch braucht man viel zu viele Bullen, um sich um so große Herden zu kümmern, die Verletzungsgefahr ist vorhanden (sowohl bei Kuh als auch bei Bulle) und die Kalbzeit lässt sich schlecht kontrollieren. Entsprechend ist künstliche Befruchtung heute das A und O, aber dies erläutere ich in einem weiteren Eintrag.

Natürlich geht auch hier die Wissenschaft weiter. Wenn nur die Mädels finanziell in der Dairy etwas wert sind, wozu bekommt man dann überhaupt Jungs? Also wird das Sperma tatsächlich getrennt und man kann "Nur-Mädels-Sperma" kaufen. Dies ist natürlich nicht zu 100% gegeben, aber selbst 70% Mädels und 30% Jungs ist ein immenser Gewinn! Es war wirklich interessant, was mir so erzählt wurde.

Doch hier in diesen Farmen muss erstmal eine Basis geschaffen werden, denn die Kuhherden sind genetisch komplett verfallen, ein Mangel an (lebendigen) Jungkühen sorgte gerade so dafür, die Herdenanzahl zu halten, kaum für Verbesserungen. Also wurden erst einmal die Alten ausgesondert und eben die Kalbzeit reduziert. Dann geht es weiter, Kühe mit wenig Milch, schlechten Zitzen und schwierigem Temperament auszusondern. All dies wird dauern, ein 10 Jahresplan ist momentan am laufen, nur, um die Farmen aus den roten Zahlen zu holen! Noch fahren sie bei weitem keinen Gewinn. Neue Maschinen müssen ran (Traktor aber auch Wasserpumpen oder die Wasserkanonen), Zäune repariert und geupdatet, das Kalbshed verbessert. Zusätzlich zu den laufenden Kosten von Wasser, Strom, Versicherung, Futter, Trockenmilch für den Notfall, Medikamenten, Befruchtung, Weidepflege, Personalkosten, etc. Ein Problem war auch unser Hof. Der Beton war dort so rutschig, dass viele Kühe ausrutschen (gerade wenn sie neu und panisch waren) und damit sich sowohl verletzten als auch zusätzlich stressten. Also überlegte man, den ganzen Hof mit reinigungs- und kuhscheißefreundlichen Gummimatten auszulegen - Kostenfaktor $15.000. Oder aufgrund der Nässe im Winter wurden die Hufen weich und lösten sich tatsächlich vom Fuß! Auch dafür gab es härtende Wasserbäder (bestimmt richtig mies zu reinigen) oder die spätere Anschaffung von Matten, über die die Kühe laufen konnten (nach anfänglichen Zögern und Schnüffeln, liefen sie dann auch drüber).
Viel Arbeit und Geld steckt dahinter, so eine Farm zu retten, zu modernisieren und die Herden genetisch wieder aufzupäppeln. Also teuteuteu!

One of those days ....

Montag, 07.05.2018

So, seit fast 3 Monaten hab ich nun nichts mehr geschrieben (noch vor dem Grape picken, dieser Eintrag ist also wirklich am 07. passiert und geschrieben) und dies ist jetzt der erste Eintrag von allem, was ich nachholen muss. Warum gerade heute? Weil heute einer dieser Tage war .... einer von denen, wo man besser niemals aufgestanden wäre .... Alles begann um 0:30 mit einem nächtlichen Besucher :

Um kurz nach Mitternacht weckte mich ein Geräusch, ein Geräusch wie das hektische Flügelschlagen der riesigen Motten hier. Da die dummen Fenster sich nur zur Seite aufziehen lassen und ich Frischluftfanatiker bin, war also mein Fenster wie immer offen (Inge hielt mich für verrückt, weil es so "kalt" ist). Da ich müde war und pennen wollte, bat ich die Motte einfach ruhig auszuharren, bis ich sie im Morgen dann rauslassen kann. Netterweise gab sie auch nur wenige Minuten später Ruhe. Zwei Stunden später weckte mich das Geräusch erneut. Um 2Uhr war ich jedoch nicht munterer als zuvor und merkte an, dass sie die Klappe halten sollte! Doch dann spürte ich, dass sie auch noch auf meiner Decke gelandet war! Gekonnt meine Panik zurückhaltend schüttelte ich sie ab .... und wunderte mich über das Gefühl von kleinen Füßen, das ich unter der Decke vernommen hatte. Aber schläfrig wie ich war, wollte ich einfach weiter pennen. Jedoch gab die Motte keine Ruhe und am Ende zwang ich mich doch aus dem Bett, um eine nächtliche Mottenbefreiungsaktion durchzuführen. Doch das Erste was ich im Licht sah war keine Motte .... sondern eine Maus! Was zum $=#"@^&'! Immerhin war es tatsächlich eher eine süße kleine Maus, keine eklige Ratte oder so. Beim Versuch irgendetwas zu finden, um die flitzende Maus einzufangen, machte ich dann noch einen Heidenlärm, als der Haufen trocknender Teller in sich zusammen fiel .... Mit einem Topf bewaffnet ging es nun auf nächtliche Mäusejagd. Respekt an alle Katzen, so ne Maus ist verdammt schnell und kletterfreudig. Sie kletterte an meinen Klamotten hoch und eroberte ohne Probleme meinen ganzen Ikea-Stoffschrank - weit entfernt von meinem ollen Topf. Zum Glück aber fand sie ihren Weg hoch dem Vorhang zum Fenstersims und aus dem Fenster raus, noch bevor ich aus meinem Schock-/Überraschungszustand zum genervten Wutzustand überging. Kann ich jetzt meine letzten Stunden Schlaf bekommen?

Mit 5min Verspätung trafen wir dann in der Molkerei ein und sahen .... nichts .... Keine einzige Milchkuh weit und breit 😡. Kein weiteres Auto da, beide Buggys noch geparkt, super. Also schnappte ich mir einen der Buggys und machte mich auf, die Kühe selber reinzuholen. Ich bin genervt, jeden 2. Morgen überall hin Nachrichten zu schreiben, wer denn dran ist und wo er bleibt .... Also bereitete ich den Hof vor und fuhr selber zu den Kühen. An der Viehweide angekommen sah ich dann auch Joe mit seinem Auto, super. Ist ja nur ne halbe Stunde zu spät. Also fuhr ich zurück, veränderte erneut den Hof, da er die Kühe von einer anderen Seite reinbringen wollte als ich es vorhatte und schüttelte den Kopf, dass das Eingangstor von der Molkerei auf den Wanderpfad zwischen den Weiden, wo die Kühe entlang gehen sollten, offen gewesen war .... das hätte viele Kühe im völlig falschen Bereich bedeutet. Als wir dann ca 40min später als geplant anfangen konnten, ging die Sch* weiter. Die Kühe wollten permanent nicht die Plattform verlassen und ließen mir absolut keine Zeit, ein paar Kühe vorzuarbeiten (also Cups off und einsprayen), um im Notfall Zeit zu haben, die Problemkühe direkt rauszuscheuchen (mit nem Wasserstrahl). Entsprechend war ich permanent am Stoppen der Plattform und zunehmend frustriert. Später fing dann auch die gewohnte Scheißerei an und einige zielgerichtete Scheißesachen trafen dann auch mein Gesicht, Augen, sogar im Mund .... ich hat so die Schnauze voll! Danach kamen die üblichen Verdächtigen - die Freshies. Voll mit übelgelaunten, kickenden Kühen, am Ende noch ne crazy Bitch, die das ganze Geländer permanent in Schwingung brachte. Als dann Brodie kam und meinte, dass wir sie lassen sollen und wir uns um sie am Abend kümmern, dachte ich nur : NO WAY!!! Erstens wurde gesagt, die kickenden werden Morgens ausgemolken (und ich mag so ne planbaren Entschlüsse), zweitens hab ich (und auch sonst keiner!) kein Bock auf dieses Rumgekicke am Abend, wenn man Feierabend möchte. Also hab ich mich weiter mit ihnen rumgeschlagen, während ich ihnen allen innerlich den Tod wünschte .... und manchmal auch verbal, nicht dass sie mich zu verstehen schienen. Auch die Mastitis Kühe gingen noch halbwegs akzeptabel und ich war sehr froh, dass ich die Medikamente noch nicht komplett vorbereitet hatte, denn das eine (man muss Wasser zu nem Pulver hinzufügen) wurde an diesem Tag nämlich ersetzt. Die Kuh mit dem sehr stark verletzten Bein (vermutlich ein Stock, der sich in das Knie reingebohrt hatte und ein fingergroßes/-langes Loch hinterließ), hatte einen riesigen Klumpen Eiter auf dem Hof verloren und belastete nun mittlerweile den Fuß gar nicht mehr. Das war gar nicht gut, wann zum Geier schaut endlich der Tierarzt drauf?

Noch immer angepisst von der Melkung (angefeuert von den kickenden Kühen in den Freshies) warteten wir nun auf die Springers .... und warteten .... und warteten .... Als ich dann Joe erwischte, wurde mir mitgeteilt, dass wir die Springers nicht machen. ^"#=^'@$€£¥$. Warum ist Kommunikation hier so schwer??? Verspätet reinigten wir noch den Hof und ich war begeistert, als man mich tatsächlich noch während! der Melkung (also kurz bevor wir aufbrachen zum Essen) ansprach, ob ich die Kühe zum Nachmittag reinholen kann. Also konnte ich sogar mit dem Buggy zurückfahren (so muss der Partner nicht dumm rumwarten, bis mal Kühe eintreffen). Brody meinte noch, dass wahrscheinlich noch n paar Kühe auf der Lane sind, aber die sollten ja kein Problem sein. Was für mich bedeutete, dass ich sie nicht sammeln und einzusperren brauchte. Ich hab noch kurz überlegt es doch zu machen, aber ... wo sollen sie denn hin? In einer Stunde muss ich sie bereits wieder rausholen und außer zum Hof, wo alles bereits vorbereitet war für ihr eintreffen, konnten sie nirgends hin. Also fuhr ich vorbei und nach Hause, meckerte n bisschen über den besch* Tag, als Brody kam und Käse vorbei brachte. Oh danke, endlich der Käse! .... Und mir sagte, dass die Kühe jetzt frei auf dem Pfad rumlaufen und sie bitte eingesperrt werden sollen ... £€$¥¥$%/'₩! Was zum verf* Geier? Hätte er das nicht gleich deutlich sagen können? Innerlich erneut am Hochkochen, ging ich erstmal zum Klo und bekam dann die Nachricht, dass ich sie doch sein lassen soll .... Was denn nu?

Ne knappe Stunde hatte ich jetzt zum Essenmachen und Essen und zurück ging es zum Kühe reinholen. Außer, dass es unerwartet lange dauerte, funktionierte dies aber recht gut und in der Molkerei wartete ein Smoothie auf mich, den mir Inge vorbei gebracht hatte. Mit ein bisschen besserer Laune ging ich mich umziehen .... und vermisste den Karton, auf dem ich immer meine dicken Socken abgelegt hatte .... wo? .... Zum Glück wurde der Karton nur hoch auf ein Regal gestellt, aber musste natürlich gerade an diesem shitty Tag sein, bin ja nur seit 4 Wochen hier! Zurück in der Molkerei wollte ich bei Brody am Cups-off vorbei gucken, ob er irgendetwas will. Da ich nicht nur dumm rumstehe, half ich kurz ein paar Cups abzunehmen .... und beim 2. Cup hebt die Kuh im falschen Moment den Fuß, kommt zwischen die Cups .... und tritt nach hinten .... wo meine Hand das Mittelstück festhielt .... autsch .... 4 Wochen arbeite ich hier, HEUTE musste mir die Kuh gegen die Hand treten. Zum Glück hatte sie keine wirkliche Kraft dahinter gehabt, so hat mir die Hand nur für ne halbe Stunde weh getan .... aber man! Als ich dann später am Cups-on war (und schon recht weit abschüssig, weil die Geschwindigkeit ein bissl zu hoch war, der Regler aber nen leichten Schaden irgendwie abbekommen hatte), hatte ich dann einen Cup in der Hand, wo so n Gummnuppel fehlte. Schön, muss ich halt doch die Plattform stoppen und reparieren gehen. Ersatzteil war in einem nahegelegenen Büroraum, dessen Tür nie zu ist, weil sie ein bissl verzogen war .... Nun ratet mal? Genau, das ERSTE MAL seit 4 WOCHEN hatte jemand tatsächlich HEUTE die Tür ZU gemacht! Jetzt stand ich davor, verzweifelt an der Tür ziehend, die nen dämlichen, schmerzhaften Griff hatte und versuchte sie zu öffnen .... und n Anfall zu kriegen! Nach guten 10min bewegte sich die Plattform dann auch endlich weiter und ich war wieder vorne. Es passierte noch ein paar Mal, dass ich die Plattform anhalten musste, um wieder aufzuholen, aber nunja .... von Cups-off hatte ich heute die Schnauze voll.

Nach der Hauptherde redete ich noch kurz mit Brody, da ich gesehen hatte, dass er mit nem Tierarzt sprach (die Kuh mit dem schlimmen Knie muss wohl erschossen werden ..... weil die Infektion sich schon zu weit ausgebreitet hat aka Behandlung kam zu spät, wir fragten Brodie ja nur täglich seit mind. einer Woche, wann der Tierarzt sich das mal anguckt), verschwand er und ich dachte : gut, jetzt holt er die Freshies. Wie immer mit ein bissl Wartezeit, reinigten wir grob die Flächen, warteten, und warteten. Dann fiel mir auf, dass der Hof für die Ankunft der Freshies gar nicht vorbereitet ist (also die Tore geöffnet oder geschlossen). Als ich sie entsprechend vorbereiten wollte, sah ich jedoch den einen Buggy, und der andere hatte keine Reifen mehr, als ich ihn das letzte Mal gesehen hatte. Hm..... Ich ging vor, um vom Milch- zum Kälbertank zu wechseln, als ich Joe traf (im zweiten, reparierten Buggy) ..... Hmmm ..... Wo ist Brody, wo sind die Freshies? Tja, wie immer hat uns niemand bescheid gegeben, Brody war nach Haus gefahren, Freshies fallen aus .... Super .... Wie gut, dass ich die Kickies nicht melken sollte, machen wir dann ja am Abend! Wie gut, dass Sam stundenlang auf genug Milch wartet (die wir am Morgen dann immer von der guten, verkaufbaren Milch abzweigen) und dafür schön bezahlt wird (gut für sie, pisst uns langsam an. Sie sammelt 50+ Stunden an (alles über 50 wird 200% vergütet) für vorsätzliches Warten und Rumgammeln - "Sie muss ja Stunden ansammeln". Während wir die sch* Arbeit haben und dauernd bei 49,xx Stunden landen ..... ohne Gammeln!) und wir weniger Stunden machen, wenn dauernd die Freshies und die Springers ausfallen! Also fingen wir nun an mit Reinigen, spät aber hey!

Zuhause wollte ich dann nur noch ne Dusche .... und musste erstmal die Badewanne von rasierten Haare befreien .... dabei kam mir dann noch der Duschschlauch entgegen, der wegen dem stetigen Wasserdruck auch nicht mehr wirklich dran bleiben wollte (und für die vernünftige Reperatur hätte ich nen Schlitzschraubenzieher benötigt, was es hier nirgends gab .... ). Immerhin blieb das Wasser warm und laut Anime-Songs gröhlend, genoss ich wenigstens eine warme Dusche und ein kaltes Cider.

SO EIN SCH* TAG ! ! !

Wartung

Donnerstag, 26.04.2018

Eine weitere (eher ungünstig geplante) Aufgabe war die Wartung der Gummianteile der Cups (siehe Bild). Im Zentrum gibt es eine durchsichtige Sammeltasse, wo die Milch aus den 4 Zitzen zusammenläuft und du sehen kannst, ob die Kuh ausgemolken ist, ob Blut in der Milch ist, oder mit Glück kann man sogar Mastitis erkennen. Wie eine Spinne gehen 4 Gummischläuche zu den eigentlichen Melktüten, die man dann auf die Zitzen stülpt. Dieser Gummianteil muss aus hygienischen Gründen aller 6 Monate gewechselt werden .... das sollte man meiner ersten Dairy wohl auch mal erklären. Deswegen hieß es zweimal im Jahr, alle auseinander nehmen, gründlich reinigen und mit neuem Gummi zusammen basteln. Eine sehr langwierige Arbeit, die man natürlich zwischen die Melkungen einschieben muss. Ich jedoch warte sowas gerne und war auch schnell dabei, kaputte Schläuche zu finden und zu ersetzen, entsprechend versuchte ich meinen freien Tag mit jemand anderem zu tauschen, um an dieser Wartung teilnehmen zu können. Dank der super Organisation wäre das am Ende nicht mal nötig gewesen und ich (und später Inge) arbeiteten umsonst 8 Tage hintereinander. Dennoch kam ich auf meine Kosten und konnte wenigstens am zweiten Wartungstag die eigentlichen Cups auseinander klamüsern und wieder zusammenbauen (am ersten durft ich nur reinigen ...). Ich erschuf eine Armee der Cupspinnen und eroberte damit die Welt! Oder so ....
Es war gut zu sehen, dass hier deutlich mehr Wert auf Hygiene gelegt wurde, obwohl die tägliche Reinigung selber bereits weit gründlicher war als in meiner vorherigen Dairy.

Angriff der Cupspinnenarmee!

Random Storys

Dienstag, 24.04.2018

Jetzt schreib ich mal noch ein paar zufällige Begebenheiten auf, die ich in die anderen Einträge nicht noch eingliedern wollte, da diese eh schon sehr lang sind, oder die einfach zu sehr aus dem Zusammenhang gerissen sind.

Eine dieser Sachen war unser Dairy-Kätzchen. Denn regelmäßig während unserer Melkung schaute ein kleines grau-gestreiftes Untier auf der Suche nach Futter auf. Dieses Kätzchen war noch ziemlich jung, aber kam scheinbar schon ganz gut über die Runden, jagte hin und wieder eine Maus auf unserem Gelände .... und ließ die Überreste zu unserer Freude herumliegen 😵. Doch trank sie auch gern die Milch, die in der Mitte ab und zu runtertropfte (gab in der Trommel oder so n kleines Leck, war aber nicht sehr schlimm, aber genug für die Katz), kletterte auf die rotierenden Arme in der Mitte rum .... und überlegte, ob sie wirklich durch die ganzen Kuhhufe zurück gen Ausgang rennen soll. Auch die Kühe waren neugierig auf die Katze und es gab ein paar süße Momente, wo Kuh und Katze (oder auch Kuh und Hund) sich gegenseitig beschnüffelten.

Ein weiteres Erlebnis war die Nachgeburt des Riesen. Normalerweise verlieren die Tiere die Nachgeburt ganz allein, auf der Weide (sollte das nicht passieren, wird ihr mit Medikamenten geholfen, da es sich infizieren kann. Aber es wird eher nicht an der Nachgeburt gezogen, vermutlich um nichts zu beschädigen, falls sie noch irgendwo verbunden ist) und fressen diese dann, machmal landet sie auch auf dem Hof und wird, während der Wartezeit von Kuh (oder auch Hund) größtenteils gefressen und von uns dann weggespült. Jedoch meinte eine Kuh, den richtig fetten Klumpen kurz hinterm Ausgang zu verlieren (und wir beteten, dass sie sie nicht in der Rotary verliert, während wir um den langen, blutigen Fleischfetzen die Kuh an- und abcuppten, jaja, das Dairyleben ... ), wo die Wasserkanonen nicht rankommen. Also mussten wir sie wegtragen .... ich kann euch sagen, nicht nur ist so eine glitschige Nachgeburt schwer festzuhalten, sie ist auch sau schwer! Urgh ... was ich alles mache, nur um es erlebt zu haben. Manchmal ekel ich mich vor mir selbst O.o

Mhmmm, lecker Nachgeburt

Da die Geburtsphase die meisten Storys mit sich bringt, sind auch die nächsten zwei aus diesem Universum. Die erste ist eher sehr traurig und braucht ein bisschen Hintergrundwissen. Junge Kühe, die das erste mal schwanger werden, werden von Jersey-Bulls künstlich befruchtet, eine Kuhmilchrasse, die eher klein ist. Sollte diese Befruchtung nicht .... naja ... fruchten, kommen die Bullen in die Herden, um die restlichen Kühe zu schwängern. Dabei sendet man Jersey Bulls zu den "Jungfrauen", aber Angus Bulls zu den älteren Damen. Dies dient dazu, den Fleischwert der Milchkühe zu erhöhen. Angus Rinder sind aber deutlich größer als Jersey Kühe, entsprechend sind Angus Kälber auch größer. Um die Damen nicht umzubringen mit zu großen Kälbern, müssen sie wenigstens einmal bereits gekalbt haben, bevor ein Angus da rauf darf. Dennoch ist es ein Problem für kleinere Kühe und die Geburt wird schwer. Eine Kuh nun hatte ein solches Problem und war bereits erschöpft von der versuchten Geburt. Sieht man es rechtzeitig, wird das Kalb von außen gezogen, aber in diesem Fall ging die Kuh zu Boden und saß damit auf dem Körper des Kalbes. Bevor man es bemerkt, einen Traktor geholt und die Kuh künstlich auf die Hufe verfrachtet hatte, war das Kalb aber schon erstickt, mit riesigem aufgeblähten Kopf.

Zum Glück ging eine andere Geschichte gut aus. Auch hier hatte die Kuh Probleme, dass Kalb heraus zu bekommen, zwei Hufe und Kopf waren schon zu sehen, doch weiter ging es nicht. Als man es entdeckte (die Kuh war noch auf den Beinen), führte man sie sogleich in einen Bereich, wo ihr Kopf und damit Körper fixiert werden konnten und das Kalb sicher herausgezogen werden konnte. Als wir näher traten, um zu helfen und zu sehen, wie man dabei helfen kann, erwarteten wir nicht viel. Das Kalb sah tot aus, mit heraushängender Zungen und geschlossenen Augen. Doch Inge nahm ein Zucken der Augenlider wahr, und nun war Eile umso mehr angesagt. Mit eine Seilwinde um die Hufen wurde das Kalb recht schnell und einfach herausgezogen, wonach es auch deutlich lebendiger wurde. Juhu, das war gut ausgegangen ^^. Schnell wurde das Kalb nach vorne zum Kopf der Kuh gebracht, um eine Bindung von Kalb und Mutter zu ermöglichen. Denn die Mutter leckt das Kalb sauber und gibt ihm die erste Milch, gut wenn das funktioniert wie es sollte. Alles wurde aufgräumt, die Mutter aus dem Zwinger befreit und das Kalb zum Sandpit getragen, wo sich beide von der schweren Geburt erholen konnten.

Übrigens können wir froh sein, keine Kühe zu sein. Während die Damen durch die Paarung häufig einen Hüftschaden erleiden (mal abgesehen von der Sterberate bei der Geburt selber), haben die Bullen das Problem, dass viele einen Knickpenis abbekommen. Danach ist eine natürliche Begattung nicht mehr möglich, aber künstlich kann man einem solchen Bullen immer noch das Sperma entnehmen. Hüftschaden oder geknickter Penis, was möchtet ihr denn lieber? 😕

Und dann war da noch .... wir hatten bereits einmal ein kleineres Problem, wo Leah ein Gate offen gelassen hatte und die Kühe auf eine ungünstige Weide flüchteten. Doch ließ sich dies schnell unter Kontrolle kriegen. Ein paar andere Male haben wir oder andere offene Tore gefunden, die eigentlich geschlossen sein sollten und von uns kontrolliert waren, aber wieder geöffnet wurden - vermutlich von Leah. So langsam nervte es. Doch dann kam ein Tag, wo sie tatsächlich ein Tor kurz vor dem Hof offen ließ, das am Ende raus zur Straße führte. Als Inge also so fröhlich die Kühe reinbrachte und an dem Hügel ankam, von dem man bereits die Dairy sehen konnte, wunderte sie sich über den leeren Hof .... und die sich bewegende Straße. Natürlich wissen die Kühe, wo sie lang SOLLTEN, dass heißt nicht, dass sie es auch tun. Und so lief eine 600 Kuh starke Armee Richtung Straße, und auf der einen Seite gab es eine uneinsichtige Kurve. Hektisch versuchte sie nun alle anzurufen, denn sie war mit dem Kubota hinter den Kühen eingesperrt. Doch viele waren nicht zu erreichen, Emily und ich mussten uns auch erstmal losmachen. Zu unserem Glück fuhr ein Beeffarmer (also fürs Fleisch) in seinem Buggy just in der Nähe herum und machte sich sogleich auf, die Kühe zurück zu senden. Dank seiner schnellen Hilfe war nichts weiter geschehen und Brody war auch bereits hier und versuchte, die im Hofbereich (für uns, Lkw-Fahrer und eben Personenverkehr) verstreuten Kühe irgendwie zu ordnen und zurück zu bringen. Es dauerte ein wenig, doch am Ende hatten wir sie im Hof - Katastrophe abgewendet. Nicht das mit Leah endlich mal ein Wörtchen geredet wurde ....

Tägliches Ritual

Samstag, 21.04.2018

Nachdem wir uns zu dritt langsam eingewöhnt hatten, uns die nötigen Fähigkeiten entweder selbst angelernt hatten (mit Emilys Hilfe) oder hier und da mal was hilfreiches aus jemandem herauspressen konnten, übernahmen wir den Laden nahezu komplett. Nur die Kälberfütterung war Leahs Aufgabe, jedoch wurden sämtliche Kälber nach nur wenigen Tagen nach Horizon Glen gebracht und dort gesammelt großgezogen. Ansonsten fuhren Brody, Leah oder Joe das Silage (sowas wie gammeliges Gras, aber ist wohl ganz toll. Sie trinken auch gerne ein Nebenprodukt der Käseverarbeitung, das sehr wässrig ist und sauer riecht und das bei den Kühen sozusagen entsorgt wird. Find ich super) aus, reparierten Zäune und kümmerten sich um die Weidevergabe, da die Kühe immer woanders die Gegend abgrasten. Doch Kühe reinholen, melken, rausscheuchen usw blieb komplett bei uns hängen. Am Anfang hatten wir eine 200 Kühe große A-Herde und eine Freshies-Herde. Wie der Name schon sagt, kamen hier die ganzen Neuzugänge rein, also alle Kühe, die gerade ihre Kälber geboren haben. Dadurch konnte man von dieser Herde die Milch für die Kälber verwenden, sie war collostrumreich und damit wichtig für das neue Immunsystem. Nach ein paar Tagen legte sich dies und die Kuh konnte zur A-Herde wechseln. Auch hatten manche Kühe Blut im Euter, eine innere Verletzung die auftreten konnte und sich aber auch wieder selbst heilte. Jedoch musste die blutige Milch raus, also extra Eimer ran und Erdbeermilch wegschmeißen (Robyn hatte sogar mal Tomatenmilch, also richtig viel Blut. Das hat uns schon Sorgen gemacht, muss aber auch wieder selbst verheilt sein. Robyn arbeitete in Horizon Glen.).

Nach dem Melken dieser Herden kam nun meist die Red-Herd. Dies ist die Herde der kranken Tiere, die starke Medikamente bekommen und deswegen ihre Milch nicht mehr nutzbar ist. Dennoch müssen sie jeden Tag gemolken werden, erstens weil ein volles Euter schmerzt, zweitens damit ihre Produktion nicht eingestellt wird. Wir erfuhren später auch, dass eine schnelle Behandlung mit schmerzlindernden Mitteln sehr wichtig ist, da die Kuh die Milchproduktion gerne einstellt, wenn sie Schmerzen hat. Eines der wichtigsten Sachen war Mastitis, von leicht nach schwer, wo das betroffene Euter heiß und empfindlich wurde und die Milch Klumpen bildete. Das nächste war eine stärkere Fußverletzung, wenn Lameness A nicht genug war. Doch es gab auch andere Kuriositäten. Zum einen wurden manche Zitzen vom ständigen Melken wund, was ich jedoch in ihren Herden noch behandeln konnte mit einer Creme. Bei einer Kuh jedoch gab es Missbrauch! Eine weitere Kuh trank ihre Milch, nahm 2 Zitzen in den Mund in schlurfte die Milch nur so weg. Jedoch schabten die Zähne dabei starke Wunden in die Zitzen, bis sie völlig roh, blutig und halb abgetrennt waren. Da die Zitzen von dir abgewand beschädigt waren, sah man dies nicht so schnell und erst die blutige Milch am Cups-off zeigte uns das (bekannte!) Problem. Danach trennten wir die Kühe, die missbrauchte Kuh kam in die Red-Herd, um dick eingecremt zu werden und zu heilen (die Kuh hat das alles mit sich machen lassen und am Ende sogar ihren Missbraucher vermisst!). Auch andere Zitzen waren stärker beschädigt durch irgendwelche Unfälle. Eine Kuh hatte sogar eine sehr schwache Zitzenhaut, die sich jedes mal blutig riss beim Ancuppen. Über Monate cremte ich diese Kuh ein und am Ende bildete sich tatsächlich stärkere Haut aus und die dünne, schwarze Hautschicht bröckelte ab. Schon krass, was die Creme bewerkstelligen konnte!

Eine weitere Kuh rammte sich einen dicken Ast ins Knie, ich sah die üble Fleischwunde und draftete die Kuh aus, gab Bescheid .... und gab Bescheid .... und gab Bescheid. Erst 2 Wochen später kümmerte sich tatsächlich mal jemand darum, und zu diesem Zeitpunkt war die Infektion nun schon unheilbar vorangeschritten. Da war ich echt sauer! Weil niemand hier ist zur Red-Herd, weil sich niemand frühzeitig kümmerte, war die Kuh nun zu weit und musste erschossen werden! Das hat mich so wütend gemacht! Auch eine weitere Kuh, die wegen starker Lameness mit richtig dickem Knöchel bei uns war, musste ziemlich lange warten, bis mal jemand nach Steinen im Huf checkte, und ein übelster Hammer, der durch den ganzen Huf ging, rausholte. Die Kuh hatte ein Loch von oben bis unten durch den Huf, und erst dann konnten wir sie effektiv behandeln und zum heilen verhelfen. Weil niemand da ist, wenn wir sogar bescheid geben!

Tragisch war auch ein anderer Fall. Eine Freshie mit Blut im Euter lief am Abend nicht zurück zur Weide (war recht üblich, weil sie von ihrer vorherigen Herde getrennt wurde und einer Anderen nun folgen musste, das nehmen sie verständlicherweise nicht so toll auf) und ich hatte wenig Lust, eine Stunde hinter dieser einzelnen Kuh hinterher zu fahren. Aufgrund von vergangenen Meinungsverschiedenheiten mit Inge haderte ich mit mir, ich wollte sie einfach nur zur Red Herd, die nah am Hof war, schicken und morgen dann einfach wieder umdraften, aber Inge hat da schon ein paar mal n Problem mit gehabt (bis zu dem Punkt, dass ich keine humpelnden und andersweitig krank aussehenden Tiere mehr ausdraften wollte, hab ich schon erwähnt, dass ich sie hasse?). Aber die Kuh bewegte sich kaum vorwärts und am Ende biss ich in den sauren Apfel und rief ihre Heiligkeit an, um um ihre Erlaubnis zu bitten. Natürlich endete es wieder in einem ekelhaften Gezanke, wo sie sauer war, dass ich nicht mit "Ja, ihre Hoheit, wie sie wünschen ihre Hoheit" antwortete, sondern argumentierte, warum ich sie zur Red-Herd bringen wollte (extrem langsam, wirkte irgendwie schwach und die Markierung als blutige Kuh ließ uns sie einfach identifizieren um sie auszudraften, mal davon abgesehen, dass wir ihre Milch eh momentan nicht verwenden können, bis das Euter geheilt ist. War also kein Problem, wenn sie am Morgen in der Red-Herd ist statt in der B-Herd). Doch wie gesagt, Argumente sind ihr egal, es muss so laufen wie sie es möchte. Nach dem Gespräch wollte ich halt angepisst mindestens eine Stunde hinter ihr herfahren zur Weide (als ob das keine Geldverschwendung ist, mich eine Stunde länger zu bezahlen für 1 verkackte Kuh!), aber da die Kuh noch langsamer wurde und ich müde war, brachte ich sie am Ende doch zur Red-Herd, an dessen Weide ich noch immer nicht vorbei war. Am nächsten Tag hatte ich frei, erfuhr also den Rest durch Erzählung. Besagte Kuh war wohl nach der Morgenmelkung noch langsamer und ging nicht einmal den kurzen Weg zur Red-Herd-Weide, zudem sah sie wohl noch erschöpfter aus. Also brachte Inge sie zum Sandpit (der kleinen Weide, die beim umdraften hilft und direkt am Hof ist) und ließ sie sich dort ausruhen. Zur Abendmelkung bekam sie die Kuh dann gar nicht mehr auf die Füße, und nun war sie doch mehr besorgt und gab den Festangestellten bescheid, dass die Kuh nicht gut wirkt. Jedoch kümmerte sich an diesem Abend niemand mehr und auch nicht während der Morgenmelkung. Als ich dann zur Nachmittagsmelkung antrat, fiel mir der leblose Körper im Sandpit auf und eine nähere Erkundung stellte fest, dass die Kuh tot war. Was auch immer sie hatte, aber dies ging nun sehr rapide und zeigt erneut, dass bei sowas schnell gehandelt werden sollte. Vielleicht hätten auch sie nichts machen können, aber es hilft ungemein, wenn eine erfahrenere Person sich eine Kuh gleich mal anschaut. Wir kriegen am ehesten mit, ob eine Kuh krank wirkt, dann sollte man sich doch auch mal die 10min Zeit nehmen, auf unsere Beobachtungen zu reagieren. Leider sind die Deutschen als gründliche, verlässliche Mitarbeiter bekannt, nicht die Australier. Entsprechend ist eine gewisse Vergesslichkeit und Unorganisiertheit hier weit häufiger anzutreffen. Wirklich traurig um die Kühe, die dafür büßen müssen.

Doch gab es auch eine gute Geschichte, denn ein Kalb wurde mit verkrüppelten Beinen geboren. Doch dank der Physiotherapie von Leah, streckten sich die Beine und das (leider männliche) Kalb wurde gesund und Rollo getauft. Man kann durchaus viel machen und helfen.

Nach der Red-Herd kamen dann die Springer rein, also die hochschwangeren Kühe. Diese bekamen hier nun extra, sehr reichhaltiges Futter. Dieses Futter durfte aber nur eine begrenzte Zeit gegeben werden, da es sonst schädlich wurde .... und dies wurde auch überstiegen. Es gab dann eine Woche, wo Joe häufiger eine Kuh totschießen musste, weil sie Symptome zeigten, die scheinbar eine Überdosis von dem Futter zugrunde lagen und von dem sich die Kuh nicht mehr erholt. Leider haben wir die kompletten Zusammenhänge nie herausfinden können, entsprechend bin ich mir auch nicht sicher, ob es wirklich immer am Futter lag oder wie. Auf jeden Fall wurden die Kälber eingefangen, die Kühe in die Rotary gebracht, und nun hieß es Muschi abchecken O.o. Ja, es war genau das! Jede Kuh wurde nun an ihrer Vagina begutachtet, ob sie locker ist (vor der Geburt) oder verspannt (nach der Geburt), ob Milch im Euter ist und sogar, ob die Vagina gerissen ist. Sowohl aufgrund meine Größe als auch der Tatsache, dass ich wenig Bedürfnis hatte, in Kuhmumus zu gucken, versuchte ich mich da ein wenig rauszuhalten und Inge bildete sich am Ende zur professionellen Kuhmuschiabcheckerin aus. Ich wiederum übernahm sehr gerne den sonst unbeliebten Job des Ausdraftens. Im Ausgangsbereich konnte man 2 verschiedene Wege einstellen, der eine war meist offen gen Weide, der andere führte zu einem abgesperrten Bereich und diente dazu, Kühe zu isolieren, um sie ordnen zu können. Also kranke Kühe, die in die Red Herd sollten oder eben frische Mütter, die nun zur Melkherde müssen. Wenn man gut war, musste man die Rotary nicht stoppen, sondern konnte es flüssig machen, das Tor per Seilwindensystem zur einen oder anderen Seite öffnen. Dies erforderte Timing und Kuhbeobachtung (manche liefen zu schnell oder langsam), war dadurch aber aufregend und eine Anforderung (und es nervte mich, wenn Inge sich da einmischte und immer die Rotary stoppte ....). Da das Tor zu öffnen und schließen aber anstrengend und ohne Handschuhe schmerzhaft war, mochte diesen Job kein anderer von uns machen, wodurch jeder seine Aufgabe hatte. Dadurch trennten wir die Springer von den Freshies, die nun in eine kleine Koppel direkt am Hof geparkt wurden.

Erst zur Nachmittagsmelkung kam dann die nächste Runde, wo wir nach dem regulären Melken die neuen Freshies in die Freshie-Herde brachten. Dort wurden sie erstmal "gestrippt", also per Hand gemolken. Um während der Trockenzeit der Kuh zu verhindern, dass Keime ins Euter kommen, wird in jede Zitze so ne weiße Substanz gespritzt. Diese ist manchmal durch den Euterdruck oder das Saugen des Kalbes schon draußen, aber manchmal auch nicht. Entsprechend strippen wir die Kuh, holen sämtliches weißes Zeug raus, checken die Milch (z.b. auf Blut) und cuppen sie dann an die Eimer an, für Collostrummilch. Die neuen Kühe, die also das erste Mal schwanger waren, müssen jedoch erst trainiert werden. Manche sind ganz ruhig und lassen es mit sich machen, andere sind zwar nervös aber bewegen sich nur stärker. Andere kicken zu dir, kicken die Cups ab oder springen gar den Trog hoch. Dies sind nun die Bitches, und die Meisten von ihnen machen dir auch auf Dauer Probleme, nur wenige brauchen ein wenig länger, um die Cups zu akzeptieren. Nachdem die Freshie-Herde ziemlich groß wurde und die ganzen Kickie-Bitches darin verteilt waren, wurde das Melken lästig, denn wir mussten die ganze Rotary stoppen und uns komplett um diese eine Bitch kümmern, bis sie ausgemolken war. Nachdem dies überhand nahm, wurde eine weitere Herde geschaffen. Sie hieß zwar Lame-Herd, aber für uns war sie die Kickie-Bitches-Herd. Jedoch wurden die durch die Nässe zunehmenden humpelnden Kühe hier auch reinverfrachtet, da wir viele mit "Lameness A" behandelten, was "harmlose" Medikamente beinhaltete, die die Milch nicht weiter beeinflusste. Die Milch konnte also weiter verkauft werden. In der Red-Herd landeten also nur noch die Kühe, deren Milch nicht verkaufbar war und im Abfluss landete. Dadurch bekamen wir zumindest eine gewisse Kontrolle über die Kickies rein, auch wenn wir diesen Teil unserer Arbeit fürchteten (zum Glück haben wir diese Herde nur Morgens gemolken, der Zeitaufwand war zu hoch für den eher geringen Milchanteil). Nachdem nun mehr und mehr Kühe dazu kamen, wurde aus der Freshie-Herd eine B-Herd und die Kühe wurden umverteilt, ca 400 in die A-Herd und 200 in die B-Herd, 20-30 in der Lame-Herd und nochmal 10 in der Red-Herd.
Ja, das sind viele Kühe zum melken, und dennoch eigentlich sogar recht wenig. Die doppelte Anzahl ist weit üblicher, aber die Dairy und die Weiden ließen nicht mehr Kühe zu.

 

P.S. Manche der Springer waren auch schon am Gebären. Zwar wurden diese Kühe meist auf der Weide gelassen, doch viele folgen dem Herdendrang selbst in solch einer Situation. Der krasseste Fall war, als die Kuh in der Rotary stand, gechillt ihr Futter fraß .... und die Hufe des Kalbs ihr aus der Mumu guckten. Und damit meine ich, dass die Beine schon nahezu komplett draußen waren! Mit großen Augen guckten wir die Kuh an und hofften, dass sie das Kalb nicht gerade jetzt rausstößt .... oh my o.O

P.P.S. Im Kampf gegen die Kälte nutzte ich nun zum ersten Mal meine in Neuseeland gekaufte Wärmeflasche - einfach göttlich. Nur leider musste ich sie tatsächlich in den letzten 3 Tagen verlieren ... Mist!

Neue Freunde

Mittwoch, 18.04.2018

Nun möcht ich mal über ein paar der Kuhdamen reden, denn ein paar sind uns persönlich im Kopf geblieben. Dabei sollte ich anmerken, dass Kühe besser auf dich reagieren, wenn sie merken, dass du sie persönlich adressierst, statt nur eine Kuh von 600. Über 5717 hab ich ja bereits im letzten Bericht erzählt, doch gab es noch Weitere. Die Erste, die uns im Kopf blieb, war eine große, stämmige rote Kuhdame, die ich Brienne taufte (na, wer versteht den Zusammenhang?^^) Andere kreative Namen für sie waren Big Red und irgendwas ähnliches. Diese Kuh war wie ein Baum, die ließ sich nicht bewegen. Gerade beim ersten Mal war es ein Krampf, sie in die Rotary reinzukriegen. Wir waren noch neu und hielten uns im Hintergrund, während Lucas, Leah und Brody zu dritt an der Kuh hängten und sowohl mit als auch ohne Technik sie versuchten, Richtung Rotary zu treiben, doch sie bewegte sich nicht. Der Höhepunkt war, als Leah tatsächlich auf der Kuh ritt und diese total uninteressiert daran war! Irgendwann, mit Brody um den Hals geschlungen, Leah den Schwanz nach oben drehend (das ist unangenehm und sie versuchen den Schwanz gerade zu bekommen, indem sie nach vorne laufen) und Lucas drückend, hatte die Kuh die Schnauze voll und bewegte sich ganz gemächlich Richtung Rotary - es war einfach himmlisch. Ansonsten war Brienne wirklich handzahm, kickte nicht und ließ die Cups dran.

Eine weitere Kuh war 0214 (Mist, weiß die Nummer nicht mehr >.< hatte aber auch keinen Namen von mir), die meist eine Extraeinladung in die Rotary brauchte und permanent einen vollgeschissenen Schwanz hatte (Kühe können sich tatsächlich auch gut reinigen! Viele wollens nur nicht ...). Da sie schwer zu bewegen war, fing ich einmal an, den getrockneten Scheißeklumpen abzureisen (so ein Klumpen kann die Blutzufuhr abknipsen und der Schwanz stirbt ab. Robyn hatte mal einen Schwanz plötzlich in der Hand, als sie diesen zur Kontrolle der Kuh zog, um sie ancuppen zu können ... juhu O.o), eigentlich ziemlich dumm, weil sie hätte ja auch nach hinten kicken können, aber zum Glück veranlasste dies sie zum Laufen - und ich hatte meinen Trick mit ihr gefunden (auch wenn ich mehr aufpasste, wo ich stand).

Auch hatten wir eine erinnerungswürdige Erfahrung mit Tailor. Wenn eine Kuh geworfen hat (sagt man das so bei Kühen?), markierten wir sie mit einem Punkt, nahmen ihre collostrumreiche Milch extern in einem Eimer auf, um diese den Kälbern zu geben, versuchten die absoluten Neulinge zu zähmen und an die Cups zu gewöhnen und schnitten die zu langen Haare der Schwänze ab, die Kühe hatten genug Waffe mit dem festen Schwanzanteil. Die Haare sind buschig, die Billigschere stumpf und das Schneiden recht schwierig. Nun jedoch begab es sich, dass Inge die Schwanzlänge unterschätzte und nicht nur das Haar abschnitt - sondern ein gutes Stück Schwanz mit dazu 😟. Obwohl Kühe wohl in ihrem Schwanz etwas empfinden, zuckte diese Kuh nichtmal .... naja ..... mit ihrem Schwanz, und ab war die Spitze. Nun mussten wir die Wunde im Auge behalten und sicher gehen, dass sich nichts infizierte - und die Kuh bekam ihrem Namen - Tailor (Tail = Schwanz auf englisch).

Eine weitere, sehr süße, junge Kuhdame war so hysterisch, dass sie permanent den Trog hinauf sprang in der Rotary, bis sie ganz langsam begriff, dass nicht weiter viel passiert. Klar sind die Cups unangenehm, aber am Ende doch nicht schmerzhaft. Sie bleiben für ein paar Minuten dran, und dann gehts wieder raus, am Leben, wohl genährt und soweit in "Freiheit", wie es die Kühe kannten. Dies lernte auch eine weitere junge Kuhdame, die extrem viel kickte und schon auf der Liste für Culls stand. Es dauerte eine Weile, aber ich fand den Trick heraus, wie ich sie ancuppen konnte, ohne gekickt zu werden und sobald die Cups dran waren, ließ sie sie dran. Jedoch war sie extrem angespannt und verängstigt während dieser Zeit und kickte noch eine ganze Weile, auch wenn man nur an ihr vorbei lief. Zum Glück legte dies sich tatsächlich langsam aber wahr. Es ist schade wenn man deutlich merkt, dass Angst diese Reaktion hervorruft und sie dann zum Schlachter gehen. Schade finde ich aber auch, wenn eine Kuh zum Schlachter muss, weil sie leider mit einem schlechten Euter oder Zitzen geboren wurde. Sie kann einen super bequemen Charakter haben .... aber das bringt halt nix. Stattdessen schlagen wir uns mit den dominanten, aggressiven Biestern herum, die wir einfach nur noch zum Schlachter schicken WOLLEN!

Auch crazy cow hatten wir natürlich, mit der ich eine tolle Erfahrung hatte. Diese Kuh hatte ein arges Problem mit den Cups, kickte wie wild nach uns (bzw die Stange, die uns schützen sollte) bis die ganze Rotary zitterte (und sie hörte nicht auf) und später ging sie eben nicht mal rein. Schnell wurde sie als "Cull" abgestempelt, also jene Kühe, die zum Schlachter gehen. Kühe mit zu miesem Temperament oder einem sehr schlechten Euter, zu wenig funktionierende Zitzen u.ä.. Das hieß für uns, dass wir uns nicht weiter um sie kümmern mussten. Also ging ich raus und öffnete das Tor, dass zur Weide führte und trat aus dem Weg. Doch dumme Kuh nahm dies nicht wahr, also ging ich um sie herum, um sie in Richtung Tor zu scheuchen. Noch war ich ganz ruhig, mittlerweile kannte ich Kühe gut genug um zu realisieren, dass wenn du ruhig bist, sie auch ruhig bleiben. Doch auch diesmal ging die Kuh nicht zum Ausgang hinaus. Seufzend machte ich mich also auf den Weg, erneut ihr die Richtung zu weisen .... als sie plötzlich mit gesenktem Kopf auf mich zukam! In dem Moment stand ich nur wie dumm rum, konnte nicht ganz begreifen, ob sie mich wirklich versuchte anzugreifen. Das war einfach ein so sehr unübliches Verhalten. Sie war schon recht nah als mein Verstand wenigstens ein bisschen einsetzte und ich nur so ne lasche Handbewegung machte. Doch dies war zum Glück genug, dass die Kuh den Angriff abbrach und von mir weglief. Noch bevor ich wirklich begriff, was passiert war, sprang die Kuh in den Wassertrog, sprang halb über den Zaun, blieb mit ihren Hinterhufen stecken, fiel vorüber in die andere Hälfte des Wassertroges, kam zum Glück wieder auf die Füße und lief gen Weide .... vorbei am sperrangelweit geöffnetem Tor .... Und ich stand wie dumm da, versuchte zu verarbeiten was ich gesehen hatte, verfiel in Lachen, schüttelte den Kopf ..... und dachte nur .... "crazy cow"

Von Kackesümpfen und eigensinnigen Kühen

Montag, 16.04.2018

Tja, so langsam hab ich auch die wichtigsten Sachen durch. Während unserer Zeit wurde es kälter und feuchter. Dadurch waren sowohl die Weiden matschiger als auch der Weg zur Dairy. Bestimmte Stellen versanken immer wieder im Kackesumpf, obwohl es immer mal wieder beiseite geräumt wurde oder mit Heu versucht wurde, es ein wenig länger grifffest zu machen. Nicht nur sahen die Kühe bei all dem Schlamm nicht, wo ein Stein versteckt ist, auch waren die Wege dadurch rutschig. Entsprechend dauerte es immer länger, die Kühe reinzukriegen. Ein Highlight war eine total dämliche Weide. Normalerweise ist es recht einfach. Man öffnet die Wege, wo die Kuh lang soll und verschließt die anderen Wege mit einem Gummiband. Da manchmal Strom dort durchfließt, lernen die (meisten) Kühe, dort nicht hinzugehen, zumal sie ja sowieso der Leitkuh folgen. Also Tor auf und ans Ende der Weide fahren. Sobald du aus dem Weg bist, fangen die ersten Kühe an, schon die Weide zu verlassen und ihre Reise zur Dairy anzutreten - dort gibt es Futter! Wenn nicht, auch gut, du fährst nach hinten und schubst die Kühe von dir weg - Richtung Tor. Kühe sind Gewohnheitstiere, sie wissen wann was passiert, und solange nichts anderes vorfällt, machen sie das auch mit. Und die neuen Tiere folgen der Herde und lernen, wie es läuft. Also laufen sie ohne Panik vor dir weg und du fährst schlängelnd hinterher. Je mehr Kühe nach vorne rücken, desto mehr steigt der Druck, die Enge und spätestens dann laufen die ersten Kühe los - der Rest hinterher. Dabei gibt es eine Rangordnung, die Leitkuh mit den dominantesten Kühen ganz vorne, dann kommen die Submissiveren, hier und da begleitet von weiteren dominanten Kühen, die ein Auge auf sie haben. Doch auch die gewünschte Laufgeschwindigkeit spielt eine Rolle, und so sind die Langsamsten dann hinten, ob dominant oder nicht (die Dominanten drängeln sich dann beim Warten zur Melkung nach vorn). Auch fanden wir eine Lieblingskuh - 5717, die gerne ein wenig Platz vor sich hatte und damit häufig ganz hinten lief. Aber sie lief auch, wie es ihr genehm war. War nicht genug Platz vor ihr, blieb sie stehen. Ich haderte mit ihr ein wenig, bis Emily und Inge mir erzählten, dass 5717 auch wie ein Hund hinter dir her läuft - solange sie Platz nach vorne hat. Dies funktionierte auch meist sehr gut, nur einmal ließ sie mich tatsächlich stehen und ich musste zurück fahren 😁. Auch überholte sie mich, wenn es ihr genehm war, entsprechend musste ich sie dann wiederrum überholen. Sie schnüffelte und knabberte ein paar mal am Kubota rum und später kam es sogar zum Kuscheln bei der "Hug-Attack". Dieser spezielle, von Inge erfundene Angriffsmove, sollte die Kühe, die einfach stehen bleiben, zum Bewegen ermuntern. Dabei muss man die Kuh um ihren Rumpf umarmen, was sie irritiert und sie meist weiterläuft - nach vorne als einzige für sie logische Reaktion. Nur 5717 ließ sich davon nicht beirren und nach ein paar mal Irritation, ließ sie es einfach zu. Was es schwierig machte, sie zum Laufen zu bewegen, wenn sie gerade mal nicht wollte.

Auf jeden Fall, zurück zum Thema, war diese eine Weide total beschissen. Da sie recht groß war, hatte man einen mobilen Zaun in der Mitte aufgespannt, der die meisten Kühe auch soweit stoppte, obwohl er an einigen Stellen arg durchhing. Doch war der Strick nicht nur superlang, sondern auch um einige Kuhbeine gewickelt und ich wusste nicht so recht, was ich machen sollte. Ich lockerte den Zaun ein wenig und hoffte, die Kühe würden einfach drüber laufen. Doch zuerst mussten sie die andere, leere Hälfte der Weide überkreuzen, erst dort war das Tor. Entsprechend konnten sich die Kühe dumm stellen, wie es denn nu rausgeht .... und ich hatte ein Problem. Verzweifelt versuchte ich von hinten die Kühe zu schubsen, doch da die vorderen Kühe den Ausgang nicht sahen, liefen sie nicht los - zumal sie über den am Boden liegenden Zaunstrick mussten. Da sie nicht losliefen, liefen die Kühe hinten immer wieder zurück, auch ein paar Ausreißer versteckten sich am Ende des leeren Weideteils. Am Ende brauchte ich fast eine Stunde, nur um die Kühe im vorderen Teil zusammen zu pressen, woraufhin nun langsam ein paar der Kühe über den Zaunstrick stiefelten und ein wenig planlos langsam das Tor entdeckten. Doch noch immer folgten nicht alle Kühe und meine Fläche war zu groß, um ein Zurücklaufen zu verhindern. Mit viel zu viel Geschwindigkeit jagte ich entlang der Kühe, fing Ausreißer ein, nur um das Problem am anderen Ende zu haben. Als ich nun dachte, dass endlich auch der letzte Rest es begriffen hat, nahm ich das nächste Problem in Angriff (die Ausreißerkühe folgten zum Glück ihrem Herdentrieb und waren schon draußen) : das Waldstück. Wald kann echt lästig sein, denn hier muss man zu Fuß rein. Zum Glück war das Unterholz in diesem Stück eher mau, doch während ich dort drin rumstiefelte, hatten ein paar Kühe außerhalb umgedreht und liefen zurück zur Weide! Nun musste ich schnell zum Kubota zurück rennen, um diese wieder einzufangen. Und was glaubt ihr machten die Kühe im Wald unterdessen? Argggghhhhhh 😠😠😠. Das Spielchen ging ein paar mal so, bis ich sie endlich raushatte. 1,5h, um sie aus der Weide zu kriegen und weitere 1,5h bis zum Hof. Ich hatte so die Schnauze voll!

Es war am Ende recht normal, dass wir 2h brauchten, um die Kühe reinzuführen, nur Morgens waren sie meist ein wenig näher am Hof. Währenddessen pfiff der Wind uns um die Ohren, da der Kubota zwar vorne immerhin eine Scheibe hatte, aber die Seiten trotzdem offen waren. Zudem regnete es immer wieder, entsprechend miserabel war das Kühe reinholen. Auch konnten wir uns nicht wirklich warm halten, indem wir hinter den Kühen herliefen (und manchmal liefen sie da schneller!), da wir den Kubota ja auch wieder zurück bringen mussten. Währenddessen halfen uns die Festangestellten null aus ... und die hatten ihre warmen, geheizten, winddichten 4WD zum Kühe reinholen 😑. (Obwohl ich sagen muss, zumindest für Brody war es echt mies. Er wurde in Festangestellt hinein gezwungen, wo er zwar >60h arbeitete, aber nur 40h bezahlt bekam. Das würd ich nicht lange mir mir machen lassen).
Das Kühereinholen wurde gleichmäßig unter uns Dreien aufgeteilt, trotz 1,5 Tage frei machten wir wöchentlich 60+ Stunden. Das gab gutes Geld, war aber dennoch miserable Arbeit. Um 2 oder 3 Uhr raus aus den Federn (wenn man wie ich frühstücken wollte), um 5Uhr war Cups-on, bis gegen 10-12Uhr Arbeit, sinnlose Pause dazwischen, 14Uhr erneut Cups-on (entsprechend früher für die Person, die die Kühe reinholt) bis 17-18Uhr, nach Hause, essen, Bett. Ein Tag in der Woche konnten wir ausschlafen, nach ein paar Heckmeck-Problemen, wo wir von Leah weiterhin im Stich gelassen wurden, bekamen wir den Nachmittag und den darauffolgenden Tag frei. Ohne Auto und k.o. hieß es da nur Chillen für mich.

l.u. 5717 ^^

Assi Hartz IV Drama - Special Edition

Freitag, 13.04.2018

Nun muss ich mal das schlimmste Sozialdrama, dass ich je das Missvergnügen hatte erleben zu müssen, beschreiben. Es handelt von einer krankhaften Stalkerin, die mir echt auf den Sack ging.

Wie jede schöne Geschichte handelt es von einer maiden Jungfrau (oder so), die unsterblich in ihren Seelenverwandten verliebt ist (ihre Worte, nicht meine). Der Name dieser holden Frau ist Robyn, eine kanadische Tierarztassistentin, aufgewachsen auf einer kanadischen Rindfarm, fand sie ihren Weg fast ein Jahr zuvor auf das paradiesische Inselchen King Island. Dort nun fand sie ihren Seelenverwandten, den mutigen (eventuell?), wunderschönen (joa, sah schon nicht schlecht aus), blauäugigen, so blau wie die wunderschönen Seen Kanadas (war zwar eher graublau, aber hey ....), jungen Brody. Eine Romanze wie sie im Buche steht. Sie hin und weg, er .... natürlich auch?, verstanden auf Anhieb den Anderen, konnten Sätze gegenseitig beenden (immer noch ihre Worte, ja!) und waren rundum perfekt für einander. Das Problem? Oh, Silvester nun offenbarte eine gänzlich unverständliche Streitigkeit. Sie, voll verliebten Übermut, nutzte nun das kanadische Paarungsritual, den Seelenverwandten zu schlagen, zu bedrängen und sonst unaufgefordert viel zu aufdringlich zu werden. Es muss gar grausig gewesen sein, denn der wackere Brody wusste sich nicht weiter zu helfen, als einen Kulli fett in ihren Oberschenkel zu rammen! Doch wie sollte die holde Maid dies nun interpretieren? Ein Versehen? Ein australischer Paarungsbrauch? Ein kleines Missverständnis? Höret nun wie die Geschichte weiterging .... fast 4 Monate danach, als 2 weitere nicht so jungfräuliche Maiden auf der Türschwelle erschienen!

Nun kommt die Story Brody und Inge. Und Robyn. Nach nur wenigen Tagen erfuhren wir alles über Brody, was wir wissen mussten (und nie wollten). Wie blau doch seine Augen waren, wie wunderschön er war, wie nett und süß und welch atemberaubend guten Kuhbauer er verkörperte. Wir kannten seine Familie, seinen Stammbaum, seinen DNA Aufbau und jede Nuance seines Hauttones (nur die Augen waren immer noch mehr grau als blau, unter viel Gelächter und zum Schaden von Brody auch mehrmals kontrolliert). Er war rundum perfekt. Man sollte erwähnen, dass Robin kein 10 jähriges Teenagergirl ist, sondern eine 23 jährige erwachsene Frau .... Überraschung?

Nun aber das unglaubliche Missverständnis an Silvester, seitdem Funkstille ist zwischen den Beiden. Ihr meint, dass dies deutlich macht, dass er nicht interessiert ist? Wegen 4 Monate Funkstille? Oder einem Kulli im Oberschenkel? Ganz sicher? Könnte doch auch was bedeuten .... oder? Die andere Dame im Haus (und ursprünglich eine recht gute Freundin von Robyn), wurde bereits grün im Gesicht, sobald der Name Brody fiel. Also nach einem Satz. Viel mehr hat man die Brody-freie Zone nicht halten können. Wir, noch unschuldig und naiv, hörten uns die Storys an, Stück für Stück kam das wahre Ausmaß zu Tage. Stück für Stück wurden auch wir grün, wenn wir von Brodys wunderschönen, tiefblauen Augen hörten. Wo ich mich eher raushalten wollte, wollte Inge die gute Freundin sein und Hilfe geben, und so versuchte sie zu vermitteln. Robyn klar zu machen, dass Brody wohl ziemlich sicher kein Interesse an ihr hat, und Brody, dass er ihr unbedingt klipp und klar sagen muss, dass er kein Interesse hat (denn sie verfolgte ihn noch immer, bat um ein Gespräch, wollte wenigstens die Freundschaft retten. Letzteres solltet ihr euch unbedingt merken!) Tatsächlich war sie darin sogar erfolgreich, nur leider brachte es eher weniger Erfolg. Zwar wusste Robyn nun, dass er kein Interesse hatte, aber sie verhielt sich nicht so. Sie verhielt sich weiterhin wie ein 10 jähriges Teenagergör, das die einzige Liebe ihres Lebens gefunden hatte.

Zeit verstrich, und Brody begann, Interesse für Inge zu entwickeln. Anfangs lud er uns beide ein, die Insel zu erkunden, jedoch war das erste Mal nach einem grausigen Tag, wo Emily und ich allein im Shed waren, allein gelassen von Leah und ich nur ne Dusche und Alkohol haben wollte, und das Zweite mal hatte ich eine Skype-Verabredung mit Sophie. Somit waren die zwei allein .... und Robin rastete aus. Brody hatte zu dem Zeitpunkt eventuell schon Interesse, aber Inge war noch uninteressiert und wollte zuerst auch nicht zwischen die Flanken geraten. Und dennoch rastete Robin voll aus, als ob sie irgendwelche Rechte auf Brody hätte (zur Erinnerung, sie wollte ja wenigstens die Freundschaft mit ihm erhalten!).
Und so ging es weiter. Die zwei trafen sich zunehmend, Inge bekam langsam Interesse und Robin rastete dauernd aus, schrie Inge an und verhielt sich sonst total verrückt. Leider war ich nie live dabei, ob ich es genießen wollte, dass jemand anders Inge anschreit oder ob ich Robyn anschreien und ihr ein bissl Verstand einbläuen wollte, weiß ich nicht, aber da wär ich wirklich gern mal dabei gewesen! So musste ich mir immer alles Brühwarm von den Anderen erzählen lassen, und es war einfach nur zum Kopfschütteln. Aber hey, wenigstens Freundschaft möchte sie mit Brody haben! Aber nur, wenn er im Gegenzug unter die Enthaltsamen geht, oder was?

Selbst am vorletzten Tag vor ihrer weitestgehend erzwungenen Abreise (sie arbeitete durch einen Trick bereits länger hier, als laut Visa erlaubt und keiner hatte mehr Lust auf sie, da sie innerhalb diese Jahres einfach verrückt geworden ist), musste sie erneut so ein Ding drehen. Aufgrund meiner eigenen immensen Frustration mit Inge an diesem Tag, genoss ich ihr Rumgeheule, als sie in ihr Zimmer "schlich" und schüttelte zeitgleich den Kopf über Robyn, da sie scheinbar auch nie was lernt. Sobald sie Inge und Brody gemeinsam sah, fing sie an mit dem Geschrei und Vorwürfen, nur um dann am Ende entschuldigend angekraucht zu kommen .... woraufhin auch Inge wieder auf lieb Kind machte und das Ganze bei der nächsten Begegnung wieder anfing. Immerhin flog crazy Robyn den darauffolgenden Tag ins Nimmerwiedersehen, Inge und Brody hatten ihre Ruhe und mussten sich nicht mehr verstecken und das Drama ebbte ab. Bis kurz vor meiner Abreise gab es dann Drama-Ruhe .... wenn man von meinem eigenen mit Inge absah 😩.

I c h h a s s e S I E !

Donnerstag, 12.04.2018

Ein weiteres großes Problem war Inge. Zuerst erdreistete sie sich ganz am Anfang, mich dauernd bei irgendwas belehren zu müssen, nur um später in das gleiche Verhalten zu verfallen. Ich hatte nunmal schon einmal mit Kühen gearbeitet, ich kannte den Frust, kannte es, vom gekicke angepisst zu sein und in Scheiße zu ersaufen. Zwar war ich hier viel netter zu den Kühen (aufgrund dessen, dass mir gezeigt wurde, wie es auch geht), aber ein gewisser Frust war immer vorhanden. Obwohl ich das ziemlich gut zurückhalten konnte, war es nicht genug für Miss Putschienie und sie meinte, mich dauernd maßregeln zu müssen. 2 Wochen später war sie dann schlimmer als ich, hatte häufiger Wutanfälle, schrie mehr. Aber erstmal, ganz ignorant jene bevormunden, die schon mehr Erfahrung hatten! Auch hatte sie das Bedürfnis, permanent was zu mäkeln zu haben. Zwar war es immer nett vorgetragen, aber kann sie es nicht auch einfach mal sein lassen? Einfach mal andere Leute machen lassen! Erst schicke ich zuviele Kühe durch (wenn sie noch nicht ausgemolken sind), dann sind die Gummimatten 10cm zu weit hinten, ich reinige zu gründlich, ich reinige was nicht genug, ich wage es auf Toilette zu gehen oder war zu spät dran, die Kühe rein zu bringen (obwohl sie zu zweit im Shed waren, mehr brauchte man da nicht!). Selber aber zu faul, den Feeder (wo das Futter rauskommt) mal auszuschalten, wenn eine Kuh erneut rumgeschickt wird (sodass sie nicht 2x gefüttert wird), dauernd mit Emily am Cups-on quatschen (ist nur ein 1 Personen Job!) und mit der Wasserkanone das stinkende Güllewasser zum Cups-off zu spülen (Ich war meist am Cups-off. Dort war ich recht schnell, und Cups-on war ein bissl höher (=schwieriger für meine Größe), zumal ich recht langsam war beim Ancuppen.) Aber wehe ich hab mal was gesagt, dann kam nur ein genervter Ton und ein Augenverdrehen.

Richtig nervig war am Anfang der Streit um das Wasser. Am Cups-off gab es einen permanenten Wasserhahn, der den Kühen als Hinweis diente, dass es nun runter von der Plattform geht. Nachdem ich ein bissl experimentiert hatte, stellte sich heraus, dass es egal war, wie stark der Wasserhahn lief und ich verhindern wollte, selbst dauern Güllewasser ins Gesicht zu bekommen. Also stellte ich den Wasserhahn schwach ein. Nachdem dies eine Woche lang gut lief, kamen jedoch einige grausame Tage, wo die Kühe stark mucken machten, runter von der Plattform zu gehen. In dieser Zeit kam Inge ab und zu rüber stolziert, fummelte irgendwas unsinniges herum, veränderte den Wasserstrahl, wusch sich die Hände und stolzierte wieder zurück. Sowas kann ich leiden! Ich bin ziemlich territorial, und wenn ich am Cups-off arbeite, will ich niemanden hier haben, der irgendwas verändert und dann abhaut! Ich hab mir jedwede Widerworte mit Müh und Not runtergeschluckt, das Wasser erneut zu meinem Belieben geändert und sie in meinem Kopf durchgeprügelt. Hab ich bereits erwähnt, dass ich sie hasse? Dieses Theater ging dann ca 3x mal so, bis sie tatsächlich ihre Klappe verwendete und mir das Problem schilderte. Ihrer Meinung nach gingen die Kühe nur so schlecht runter, weil ich das Wasser so lau laufen lasse. Ich wollte argumentieren, dass ich das bereits getestet hatte und dies nicht stimmt (zu dem Zeitpunkt war ich richtig sackig, nicht nur wegen ihr sondern auch wegen den dämlichen Kühen), aber eine Argumentation - eine Diskussion war ihr egal. Sie hatte Recht, sie wollte, dass ich alles mache wie sie es sich wünscht, während sie zeitgleich alles so umdrehte, dass ich wieder die Besserwisserin bin. ICH HASSE SIE! Ich bin nicht gut im Reden und Argumentieren (falls man das bei ihr so nennen möchte), entsprechend kann ich nicht viel machen bei so einer dämlichen Kuh, die ja eh immer Recht hat und dir sämtliche Worte im Mund verdreht. Bei diesem lautstarken Streit nannte sie mir jedoch auch ein Argument, gegen dass ich nichts hatte. Der starke Wasserstrahl säubert auch die Kuhscheiße am Rand und macht das Ancuppen um einiges angenehmer. Aber statt vernünftig mit mir zu reden und Argumente vorzubringen (und eben auch bei Gegenargumenten zuzuhören!), kam sie einfach rüber und veränderte alles zu ihrem Belieben.

Auch schub sie mir die Schuld zu, dass an ihrem freien Tag bei uns alles so schief lief. Dabei ist ein bisschen Hintergrundwissen nötig, dass ich später auch noch näher erläutern muss : Sie und Brody hatten etwas am Laufen, weshalb Brody an ihrem freien Tag ebenfalls frei hatte. Wie bereits erwähnt, war Brody aber der Einzige, der sich noch halbwegs um uns kümmerte. Entsprechend waren an meinem und Emilys freien Tagen immer Brody als 3. Person dabei, zwar unpünktlich und vergesslich, aber sonst wenigstens zuverlässig. Was aber war an ihrem freien Tag? Leah war für uns als 3. Person eingeteilt - und erschien nie. Natürlich war das laut Inge auch unsere Schuld ("Haben wir sie angerufen? Haben wir sie erinnert? Am Tag davor erinnert?" Bin ich denn ein verkackter Babysitter???) Entsprechend fiel die Arbeit für 3 Leute an uns Zweien haften, vermieste unsere Laune (was vermutlich auch die Kühe unruhig stimmte), brachte immense logistische Probleme mit sich (normalerweise holt die 3.Person die nächste Herde, wenn die Erste noch gemolken wird. So entsteht ein flüssiger Wechsel zwischen A Herde, B Herde, Lame Herd und Red Herd) und schluckte unsere Zeit und Nerven. Aber Miss Inge schob das ganze Problem nun auf mich und meinem bösen schwach laufenden Wasser, nur deswegen gehen die Kühe schwer raus, nur deswegen ist der Tag so lang. In welcher Fantasiewelt lebt sie eigentlich?

Wir hatten mehrere große, laute Brüllereien, eine Vollbremsung von Inge mitten auf der Straße und Stress pur. Sie wollte danach immer auf lieb Kind machen, dass ich mich verändere, aber sie weiterhin auf jedem kleinen Scheiß rummäkelte. Ich wollte, dass sie mich einfach nur ignoriert! Ich ignoriere sie, sie ignoriert mich! Feine, kalte, respektvolle Distanz. Stattdessen ließ sie mich nicht allein, ich schluckte meinen Frust und Hass runter und versuchte sie weiter zu ignorieren, so gut es ging. Es war grausam. Und der wichtigste Grund, warum ich meinem letzten Tag so hinterher gehechelt bin (und definitiv nicht mir IHR meinen letzten Tag gefeiert hab) : Ich wollte weg von ihr! Klar, der Job ist einfach nicht meins, wir wurden reichlich in der Luft hängen gelassen, das Wetter war kalt und nass und einfach miserabel. Doch das hätte ich noch ein paar wenige Wochen mehr ertragen können, schließlich war das Geld gut. Doch ich wollte weg von ihr! Die Ulurureise, die wir anfangs überlegt hatten gemeinsam zu unternehmen, um Fahrgeld zu teilen, hab ich in meinen Kopf sehr früh umverlagert, und nach einem weiteren großen Streit ihr dann auch mitgeteilt. Lieber zahl ich $1.000 mehr an Benzin und hab Spaß, als mir diese Folter weiter anzutun. Das ist mir das Geld echt nicht wert. Ich war so froh von ihr weg zu sein und hab mir erst einmal ein paar Tage "Vergessen" gegönnt. Grausame Person, außer du hast einen Schaf-Charakter und wenig Probleme, dir dauernd sagen zu lassen, was du zu tun und zu lassen hast.

Im übrigen bin ich mir sehr wohl bewusst, dass wir uns sehr ähnlich sind. Eines der großen Probleme zwischen uns. Witzig ist nur, dass sie nie Einsah, dass fast alles, was sie mir an den Kopf warf, sie viel stärker selbst besaß. Aufgrund meiner unsozialen Natur hab ich wenigstens nicht das Bedürfnis, andere Leute permanent zu korrigieren. Und ja, ich kann gewisse Kleinigkeiten auch einfach ignorieren .... aber ohhh, die Matte ist 10cm zu weit weg vom Rand ....

Auf dieser Seite werden lediglich die 10 neuesten Blogeinträge angezeigt. Ältere Einträge können über das Archiv auf der rechten Seite dieses Blogs aufgerufen werden.